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Norwegen 07/16

Montag, 01 August 2016
Published in Reiseberichte
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Nach der verlockenden Kurztour durch Schweden 2015 hatten wir uns fest vorgenommen, den Norden erneut zu besuchen. Im Juli haben wir endlich unsere Kalender leer geräumt und starten nach Schweden. In den ersten Tagen gönnen wir uns ein entspanntes Reisetempo mit vielen Unterbrechungen, um anzukommen. Schließlich ist Sommer, die Zeit, in der man draußen am besten lebt.

Nach einer großen Wanderung durch ein Mühlbachtal werden wir von einem Gewitterschauer vollständig durchnässt und empfinden das als sinnliches Vergnügen. Jetzt fühlen wir uns im Stande eine größere Strecke zurückzulegen und fahren bis nach Örnsköldsvik. Im Nationalpark Skuleskogen fasziniert uns die Landschaft, die deutlich von der letzten Eiszeit geprägt ist: abgeschliffene Granitfelsen mit Krüppelkiefern, Moosen, Flechten und Moltebeeren. Die vielen kleinen Moore in den ausgewaschenen Felswannen stecken voller Raritäten. Ein Traum für Hobbybotaniker! Dort verliere ich mich mit meinem Makroobjektiv in der Zauberwelt der fleischfressenden Pflanzen, Orchideen und Torfmoose und vergesse die Zeit. In Skeppsmalen, einem kleinen Fischerdorf, lernen wir eine gewöhnungsbedürftige Methode der Heringskonservierung kennen: Surströmming heißt der sauer fermentierte Hering. Wir denken uns: Käse ist ja im Prinzip auch „vergammelte Milch“, warum also nicht vergammelter Hering. Man muss es mal probiert haben…

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Weiter geht es quer durch das Landesinnere Richtung Norwegen. Je dünner besiedelt die Landschaft wird, desto schwieriger wird es einen Übernachtungsplatz zu finden. So fahren wir besonders gerne immer wieder in Sackgassen hinein, die oben auf einem Berggipfel enden. Oft werden solche Pisten im Winter als Skigebiet genutzt und sind im Sommer einsames Wandergebiet. Einmal wird aus der Piste ein Sturzbach, die Wolken werden immer dunkler, der Wind pfeift wie bei einer Polarexpedition. Aus der gemütlich warmen KORA heraus ist das Beobachten des extremen Wetters ein besonderer Genuss.

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Weiter geht es die Trollstigen hinauf. Das erste Mal auf dieser Tour erleben wir sichtbaren Tourismus. Der Blick vom Aussichtspunkt Ørnesvingen auf den glitzernden Geirangerfjord ist atemberaubend und wir teilen ihn mit vielen anderen Besuchern. Anschließend haben wir das Bedürfnis wieder ein paar Tage an einem Ort zu bleiben. Fündig werden wir am Langfjorden bei Dale. Wir stehen dort direkt am Wasser neben einem alten Schuppen, der als Ziegenunterstand dient. Bei Regen klettert die kleine Horde in das antike Gerümpel des Schuppens: alte Pferdeschlitten, eine Wolltrommel, Weinfässer, Wagenräder und Holz-Gerätschaften, deren Verwendung mir unbekannt ist. Einen Antiquitätenhändler würde es in den Fingern jucken.

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Abends freuen wir uns über 5 geschenkte Fische, die der Bauer von seiner Bootstour mitgebracht hat. Völlig überrascht entdecke ich am nächsten Morgen eine Gruppe von Schweinswalen im Fjord, die immer wieder woanders auftaucht. Trotz niedrig hängenden Wolken und kaum Regenpausen machen wir eine Wanderung bis hoch in die Wolken. Mit seinen Grauerlen, Farnen und Moosen verdient der Wald hier die Bezeichnung Urwald. Nirgendwo erleben wir diese unberührte Natur intensiver als in den Norwegischen Wäldern und Fjorden. Unser nächstes Ziel, das wir ins Auge fassen, ist der Gletscher Jostedalsbreen. Unterhalb des Gletschers am Rande einer Gletscherzunge überkommt uns erst einmal der Hunger. Mit Blick auf den türkisfarbenen Gletschersee kochen wir uns ein paar Eier und gönnen uns anschließend einen Espresso. Das Sonnenlicht und die Farben der Gletscherszenerie (Himmel, Wasser, Schnee) sind so klar, dass wir viel zu spät wieder ins Tal aufbrechen. Auch unser Hund wälzt sich genussvoll im Schnee.

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In der Nähe von Stryn machen wir eine große Wanderung auf einem engen Pfad, vorbei an einem großen Wasserfall, über eine Lichtung mit drei Häusern, tief hinein in einen mystischen Wald, der uns zu lustigen Troll-Geschichten inspiriert.

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Bevor es weiter Richtung Süden geht, verbringen wir noch einige Tage an der Küste. Überrascht hat uns nach dieser intensiven Wildnistour die Tatsache, dass es südlich von Stavanger auch einen Sandstrand mit Badetourismus gibt. Dänemark empfängt uns mit echtem Sommerwetter, das uns zu ein paar Tagen Strandurlaub verführt, bevor wir endgültig nach Hause müssen. Es bleibt eine große Ehrfurcht vor der wilden Schönheit der skandinavischen Landschaften mit dem tiefen Wunsch wieder zu kommen.

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